Vergangenheit mit Zukunft - Urgetreide aus dem St. Wendeler Land

08.04.2022

Vergangenheit mit Zukunft

Es klingt paradox: Zehntausend Jahre altes Getreide ist eine echte Innovation. Eine Innovation auf dem Feld und in der Backstube. Die Renaissance von Urgetreide passt zu aktuellen Verbraucherbedürfnissen, die sich als Antwort auf unsere digitalisierte Welt entwickelt haben: Nachhaltigkeit, Naturbelassenheit, Authentizität, Genuss, Rückbesinnung auf Traditionen – all diese Sehnsüchte können in Gestalt von Urgetreide-Sorten erfüllt werden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Nachfrage nach dem unverfälschten Geschmack von Urgetreide-Produkten rasant wächst.

Die alten Getreidesorten haben mich von Beginn an überzeugt. Meinen ersten Sauerteig setzte ich mit dem Urgetreide Waldstaudenroggen an. Der Johannisroggen, wie er auch genannt wird, gilt als anspruchslos, er gedeit auf kargen Böden und benötigt keine chemische Unterstützung - ideal für alle, die auch unter Unverträglichkeiten leiden. Und ganz nebenbei punktet dieses Getreide mit einer grandiosen Ballaststoffbilanz. Im Saarland hatten dieses alte Getreide die Landwirte bislang nicht auf dem Schirm. Vor einigen Wochen dann wurde ich von Patric Bies von der Bliesgau Ölmühle auf einen Landwirt aufmerksam gemacht, der sich auch den alten Getreidesorten - neben Waldstaudenroggen auch Emmer und Einkorn - verpflichtet fühlt. Dieter Leist aus Marpingen gibt dem Urgetreide wieder einen Raum. Seit zwei Jahren baut er Waldstaudenroggen, Emmer und Einkorn auf seinen Feldern an. Ganz bewusst setzt Leist auf dieses ursprüngliche Getreide, lernt, wie er offen einräumt, diese alten Sorten neu kennen und versucht sie ganz bewusst ohne jegliche Düngung naturnah zu kultivieren. Das Ergebnis der ersten Ernte, der Waldstaudenroggen, wird unlängst in meine Rezepturen einfließen. Meine Sauerteige - in den Kursen in Wadern und in Theley - werden zukünftig mit dem Johannisroggen aus dem St. Wendeler Land angesetzt. Interessierte können das Getreide und auch das Mehl über mich beziehen.