Die Backmol-Zeugnis traditionsreichen Bäckerhandwerks

08.04.2022

Zu meiner Lehrzeit stand in der Backstube in Lockweiler eine "Mol". Eine ca. 4 Meter lange Wanne aus Metall, die mit einer massiven Buchenholzplatte als Tisch umfunktioniert worden war und auf der alle anfallenden Arbeiten (Abwiegen und Aufmachen des Teiges) erledigt wurden. Über Jahrhunderte hinweg war die "Mol" oder "Molle", wie sie in anderen Teilen der Republik genannt wird, der zentrale Bestandteil jeder Backstube. Freilich zu einer Zeit, als Hub- und Spiralkneter noch nicht erfunden waren oder aber ihre Anschaffung zu kostspielig war. In ihrem Innern konnten gleich mehrere wichtige Arbeitsschritte der Teigherstellung ablaufen. In einer Ecke wurden Vorteige angesetzt und warteten gut geschützt auf ihren Einsatz im Hauptteig. In der anderen Ecke lagerten Mehl und weitere Hauptteigzutaten. Je nach Größe der Mol konnten so gut gerne an die 50 Kg Teig hergestellt werden. Man kann sich heute vermutlich nur noch schwer vorstellen, welche Energie der Bäcker aufwenden musste, diese Menge alleine mit seiner Hände Kraft zu bewegen - Handwerk im besten Sinne!
Was auf den ersten Blick als schweißtreibende Arbeit anmutet, ist in Wahrheit der Kern und wenn man so will die Basis eines guten Brotes. Die Bäcker dieser Zeit hatten ein blindes Gespür für die Konsistenz ihrer Teige, jede noch so winzige Abweichung spürten sie unmittelbar, ob Festigkeit oder Temperatur, ihrem Gefühl entging nichts. Diese Erfahrung war über Jahrhunderte hinweg die "Zutat" für ehrliches und authentisches Brot. Mit dem Einzug von Maschinen und allerelei anderen "versteckten" Helferlein verschwand vielerorts dieses Wissen. Heute gibt es nur noch wenige echte Handwerksbäcker, die mit ihren Händen tief im Teig stecken. Bei der überwiegenden Anzahl der produzierten Brote ist die Hand des Verbrauchers der erste unmittelbare Kontakt eines Menschen mit dem Lebensmittel Brot.
Umso wichtiger ist es, dass es Zeitgenossen gibt, die sich der Tradition des ursprünglichen Bäckerhandwerks verpflichtet fühlen. Jens Hertel ist so ein "Handwerker". Er fertigt die Mol, so wie sie über Generationen zur Brotherstellung genutzt wurde, in seiner Manufaktur von Hand. Seine Schaffenskraft ist - wenn man so will - der Ausgangspunkt für das Brotbacken schlechthin. Ich fühle mich geehrt, dass meine "Mol" in den nächsten Wochen endlich im Saarland entrifft!

www.backmolle.de